Laecheln und sah emsig auf ihre Arbeit. Er kam den Abend wieder mit
seiner Pfeife auf ihre Stube; den Morgen fand er seinen kleinen
Jungen wieder in der naemlichen Stellung. "Was ist denn das mit der
Pfeife?" sagte er, und konnte sich nicht enthalten zu lachen und
zugleich noch roeter zu werden. "Kann ich's ihm abgewoehnen", sagte
sie mit der groessten Sanftmut, "wenn er dich alle Abend rauchen sieht?
Du weisst, wie die Kinder sind; alles, was die Alten tun, macht ihnen
Freude." "Und wer hat ihm die Pfeife gekauft?" fragte Mannheim und
versteckte seinen Kopf an ihrer Brust; hier fand sie es fuer gut, ihm
aus dem Stegereif eine kleine Gardinenpredigt ueber das Rauchen,
sobald es Gewohnheit wird, zu halten. "Es ist eine Kette", sagte sie,
"an der du ziehst, die dir alle deine uebrigen Vergnuegungen verdirbt,
darum nur, darum habe ich was dagegen einzuwenden. Du bist nirgends
ruhig, wenn dich nicht die Pfeife begleitet, und du magst es dir
verhehlen, wie du willst, es bleibt immer eine kleine Unreinlichkeit.
Ich habe einen Menschen gekannt, der sich parfuemierte, wenn er
geraucht hatte, und er kam mir gerade so vor, wie ein Schinken, den
man aus dem Rauch nimmt, und eine Sauce von Zitronen dran macht.
\XDCberlassen wir das Rauchen den Ungluecklichen, die keine andere
Freude haben, den Walfischfaengern in Groenland, oder den Negern in
Zuckerplantagen, die ein Opium brauchen, um sich gegen ihr Elend zu
betaeuben, aber du, im Schosse des Gluecks, in meinem Schosse"--hier
fasste sie ihn mit unaussprechlicher Schmeichelei unter das Kinn. Er
ging trotzig fort. Den Abend ward Pfeife und Tabak in den Ofen
geworfen, und den Morgen liess er sein Studierzimmer von neuem
ausweissen und fluechtete in das Zimmer seiner Frau.
Nach langer Zeit ward er inne, dass seine Frau es mit dem Kaffee hielt,
wie er mit dem Rauchtabak. Ihr war nicht wohl, wenn sie des Morgens
ihren Kaffee nicht genommen, und sehr oft ueberfiel er sie mit ihrem
Lieschen auch des Nachmittags am Kaffeetisch, wo sie einander wie
wahre Stadtweiber, die Schale in der Hand, mit den Neuigkeiten ihrer
Korrespondenzen unterhielten. Sobald sein Weib oder ihr Lieschen
uebles Humors war, ward es hernach zur Gewohnheit, dass zweimal Kaffee
getrunken werden musste. Er wollte beide einmal auf die Probe setzen,
und las ihnen bei Tisch einen erdichteten Brief vom Praesidenten vor
(mit dem er wirklich korrespondierte), in welchem dieser ihm meldete,
es wuerde naechstens eine landesfuerstliche Verordnung bekanntgemacht
werden, worin allen Privatpersonen ohne Ausnahme der Gebrauch des
Kaffee bei schweren Geldstrafen untersagt werden wuerde, dafern sie
sich nicht eine unmittelbare Erlaubnis vom Landesherrn durch
Bezahlung einer dazu ausgesetzten Geldsumme auswirkten. Seine Frau
und Lieschen sahen einander an; beide suchten die verschiedenen
Empfindungen, die diese Neuigkeit in ihnen veranlasste, jede auf ihre
Art, zu verbergen, endlich konnte sich Lieschen nicht laenger halten,
und brach aus: "Werden Sie uns diese Erlaubnis denn kaufen?" Mannheim
laechelte. "Du wuerdst wohl ohne Kaffee nicht leben koennen, aber ich
hoffe, was meiner Frau gut ist, wird dir auch recht sein." Hierauf
setzte er ein sehr ernsthaftes Gespraech mit einem seiner jungen
Freunde fort. Als er vom Essen aufstand, und sie kuessen wollte,
stuerzten zwei unbaendige Traenen, die sie mit aller ihrer Muehe und
Kraft beim Essen zurueckgehalten hatte, ganz wider ihren Willen und
Absicht, von den Wangen der armen Albertine den mutwilligen Lippen
Mannheims entgegen, die sie wolluestig aufschluerften. "Und so weinst
du denn, meine liebe Frau", sagte er laut und triumphierend, "und
meinst, der Kaffee sei keine Kette, kein Opium, das dich fuer alle
andere Vergnuegungen taub und ungestimmt macht. Wenn haben unsere
Vorfahren Kaffee getrunken, die doch auch ihre Freude hatten, und
herzlicher als wir. Trinken wir den Kaffee, wie sie, als etwas